Das Endocannabinoid-System

  • von Carsten Graz

Unser endogenes Cannabinoid System, auch Endocannabinoid-System (ECS) genannt, ist ein fester Bestandteil des menschlichen Nervensystems. „Endo” heißt kurz gesagt, dass es ein körpereigenes System ist. Das Endocannabinoid - System verfügt über körpereigene Cannabinoide auch Endocannabinoide, die sich an verschiedene über den Körper verteilte Rezeptoren „andocken“. Die Cannabinoid-Rezeptoren (CB - Rezeptoren) sind in verschiedenen Organen zu finden, so im Nerven-, Atem-, Kreislauf- bis hin zum Verdauungssystem.

 

WAS MACHT UNSER ENDOCANNABINOID-SYSTEM?

Das Endocannabinoid-System ist in unserem Körper für eine Vielzahl von Prozessen verantwortlich. Es beeinflusst unsere Stimmung, unseren Appetit, das Gedächtnis und Entzündungen in unserem Körper. Es ist darauf ausgerichtet, unseren Körper in einem gesunden Gleichgewicht zu halten. Dazu halten Cannabinoide an speziellen Rezeptoren wie zum Beispiel dem CB1 und dem CB2 fest. CB1-Rezeptoren helfen Ihnen beispielsweise bei der Gedächtnisverarbeitung und der Schmerzregulation. Hingegen wirken CB2-Rezeptoren zum Beispiel auf das Immunsystem.

Die Wirkweisen der Endocannabinoide auf das Endocannabinoid-System können durch pflanzliche Cannabinoide, wie sie in der Cannabispflanze natürlich aufzufinden sind, nachgeahmt beziehungsweise verstärkt werden. 

 

SEIT WANN WISSEN WIR VON DER EXISTENZ DES ENDOCANNABINOID-SYSTEMS?

Die Entdeckung des Endocannabinoid - Systems gelang erst im Jahre 1992 im "National Institute of Mental Health“ in den Vereinigten Staaten von Amerika. Zudem ist spannend, dass das Endocannabinoid-System überhaupt erst durch die Erläuterung der Wirkung exogener Cannabinoide, dem Wirkstoff aus der Cannabispflanze, entdeckt wurde. Einem Konsortium von Wissenschaftlern gelang der Nachweis, dass es neben den exogenen Cannabinoiden auch körpereigene Liganden, die Endocannabinoide gibt. Seitdem hat die Forschung insgesamt große Fortschritte gemacht, aber von einer lückenlosen Aufklärung der gesamten Funktionen dieses komplexen Systems sind die Wissenschaftler noch weit entfernt. Erste intensive Forschungen deuten darauf hin, dass das Endocannabinoid - System für die Balance in unserem Körper zuständig ist. Immer mehr Anzeichen sprechen dafür, dass eine Störung des Endocannabinoid - Systems bei chronischen Erkrankungen als auch bei Migräne oder Fibromyalgie eine gewichtige Rolle spielt.

 

WIE IST DAS ENDOCANNABINOID-SYSTEM AUFGEBAUT UND WELCHE SCHLÜSSELROLLEN SPIELT ES?

Das Endocannabinoid - System ist ein komplexes System aus endogenen Rezeptoren und exogenen Cannabinoiden sowie Enzymen, die Ihre Cannabinoide auf- sowie abbauen. 

Endocannabinoide sind die Antwort unserer Körperzellen auf verschiedene Reize. Sie erfüllen ihre Wirkweisen, indem sie sich an die Cannabinoid Rezeptoren binden und diese dadurch aktivieren. Sobald diese ihre Wirkung entfaltet haben, werden die Endocannabinoide vom Körper wieder abgebaut. Der Körper kann sich so schnell auf Reize einstellen, reagieren und die Wirkung des Endocannabinoid-Systems an die Bedürfnisse des Körpers anpassen. 

 

DIE REZEPTOREN IM ENDOCANNABINOID - SYSTEM UND DIE IHRE FUNKTIONEN 

Der CB1 Rezeptor

Die CB1-Rezeptoren wurden erst 1990 entdeckt und befinden sich hauptsächlich in unserem Gehirn, in Bereichen wie zum Beispiel dem Hippocampus oder dem Kleinhirn. Weitere CB1-Rezeptoren befinden sich im Magen - Darm - Trakt, im Fettgewebe und auch in unserer Muskulatur. Das Endocannabinoid- Anandamid ist der natürliche Ligand des CB1- Rezeptors.

Die CB1 Rezeptoren haben Einfluss auf unser Gedächtnis, die Regulierung unseres Schmerzempfinden, die motorischen Kontrollen, die Empfindung von Freude und Euphorie, die Durchblutung und den psychischen Zustand.

 

Der CB2 Rezeptor

Im Jahr 1993 folgte die Entdeckung der CB2-Rezeptoren. Während sich CB1-Rezeptoren hauptsächlich im Gehirn befinden, sind CB2-Rezeptoren im gesamten Körper verteilt. Sie befinden sich im Immunsystem, so in Mandeln, Milz und weißen Blutkörperchen. Zusätzlich im Magen-Darm-Trakt. Auch im Gehirn lassen sich CB2-Rezeptoren nachweisen. Doch ist die sich dort befindliche Anzahl deutlich geringer als die der CB1-Rezeptoren.

CB2-Rezeptoren werden im Körper von einem zweiten sogenannten Endocannabinoid 2-Arachidonoglycerol (2-AG) aktiviert. Von den CB2-Rezeptoren nimmt man zudem an, dass sie eine entzündungshemmende Wirkung haben und zusätzlich das Schmerzempfinden reduzieren können. Außerdem hat eine Aktivierung des CB2-Rezeptors eine insgesamt beruhigende Wirkung auf unseren Organismus.

Normalerweise funktioniert die Regulierung des Endocannabinoid-Systems durch unsere körpereigenen endogenen Cannabinoide, also ganz ohne äußere Einflussnahme. Manchmal braucht aber unser Körper einfach einen kleinen „Schubser“ von außen. Pflanzliche Cannabinoide unterstützen unser Endocannabinoid-System nach Leibeskräften. Derzeit sind den Forschern über 100 Cannabinoide der Hanfpflanze bekannt. Eines der best-untersuchten Cannabinoide ist das CBD, dass unseren Körper auf natürliche Weise unterstützt zum Beispiel beim Stressabbau.

 

WIE HARMONISIERT CBD, THC UND ANDERE CANNABINOIDE DAS ENDOCANNABINOID-SYSTEM?

Nach derzeitigem Stand der Forschung reagieren die Cannabinoide der Hanfpflanze mit unserem Endocannabinoid-System auf unterschiedliche Art und Weise. Pflanzliche Cannabinoide binden sich an die CB1- und CB2-Rezeptoren, beeinflussen dadurch den Auf- und Abbau dieser endogenen Cannabinoide und darüber hinaus verstärken oder schwächen sie sich zum Teil gegenseitig in ihrer Gesamtwirkung. Die beiden häufigsten Cannabinoide, das THC und CBD, reagieren und kombinieren völlig unterschiedlich mit den Komponenten des Endocannabinoid - System. Hierdurch erklärt sich, weshalb THC psychoaktive Effekte auf den Körper hat und CBD nicht

 

 

DAS ENDOCANNABINOID – SYSTEM UND CBD IN DER GESAMTBETRACHTUNG

Im Gegensatz zu den meisten Cannabinoiden hat CBD nur eine geringe Bindungskraft zu den Endocannabinoid - System - Rezeptoren wie dem CB1 und CB2. Dadurch schwächen sie die Wirkungen von anderen Cannabinoiden an diesen Rezeptoren leicht ab. Allerdings geschieht dies über verschiedene Mechanismen… CBD bindet sich zum Beispiel an den Serotonin-Rezeptor und hat so einen unterstützenden Beitrag zu unserer Gesamtstimmung. 

Außerdem unterdrückt CBD die Enzyme, welche für den Abbau unserer körpereigenen Endocannbinoide zuständig sind. Hierdurch erhöht CBD den Spiegel von Anandamid im Körper für eine längere Zeit. Das verblüffende daran ist, Anandamid ist eines der wichtigsten Endocannabinoide im menschlichen Körper. CBD unterstützt also die natürliche Funktion unseres Endocannabinoid-Systems. 

Bis jetzt ist die vielfältige Wirkung von CBD auf unseren Körper noch nicht vollständig erforscht und weitere Langzeitstudien befinden sich im Prozess.

 

DAS ENDOCANNABINOID – SYSTEM UND THC IN DER GESAMTBETRACHTUNG

Die Hanfpflanze an sich enthält nur Spuren von THC, daher erklären wir die Wirkung von Tetrahydrocannabinol (THC) hier nur am Rande, gehen aber in einem weiteren Blogbeitrag auf die Wirkweise von THC genauer ein. 

THC dockt komplett anders als CBD an den CB1 Rezeptor an, welcher als Rezeptor hauptsächlich im Gehirn vorkommt. Dadurch erklärt sich seine psychoaktive Wirkweise. Psychoaktiv heißt: THC macht uns euphorisch, auch oft als “high” betitelt. Da Tetrahydrocannabinol (THC) aber durchaus über andere positive Wirkung verfügt, wird es in der Medizin eingesetzt: Als gutes Beispiel dient hier die Behandlung starker Schmerzen.

Bei frei verkäuflichen Produkten, wie Nahrungsergänzungsmitteln oder Kosmetik ist eine psychoaktive Wirkung natürlich verboten und daher dürfen für diese Produkte nur Hanfanteile eingesetzt werden, die bis zu 0,2% THC enthalten. 

 

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